Nachtigallenwanderung zur "Alten Kläranlage"

   

                  

Stellungnahme des NABU Fronhausen/Lahn e.V. zur

Festplatzverlegung in eine Ausgleichsmaßnahme

(alte Kläranlage Fronhausen, Flur 14, Flurstück 185/1 und 185/2)

 

Vorbemerkungen:

Der Naturschutzbund Deutschland Gruppe Fronhausen hat erst durch Hinweise aus der Bevölkerung und der Burschenschaft am Dienstag dem 13.05.2014 davon erfahren, dass die Gemeinde Fronhausen den Festplatz auf die Ausgleichsmaßnahme alte Kläranlage verlegen will.

Der NABU Fronhausen/Lahn e.V. unterstützt die Bestrebungen der Gemeinde zur Gemeindeentwicklung und zum Wohnungsbau.

Da sich der NABU als Anwalt der Natur versteht kann er aber einer Verlegung des Festplatzes auf die Ausgleichsmaßnahme, auf der Fläche der alten Kläranlage, aus folgenden Gründen nicht zustimmen:

  • Ausgleichsmaßnahmen sind grundsätzlich keine geeigneten Flächen für Festplätze. Auf der Fläche der alten Kläranlage liegt bereits eine Ausgleichsmaßnahme für ein anderes Bauprojekt.
  • Die Fläche zeigt einen natürlichen, vielfältigen, dichten Bewuchs mit alten und jungen Bäumen (u.a. 11 alte u. 9 junge Obstbäume) , Sträuchern, Blühpflanzen und Gräsern (Siehe Artenliste im Anhang).
  • Die für den Festplatz notwendige Rodung und Flächenversiegelung stellt einen völlig unverhältnismäßigen Eingriff dar, da der Festplatz nur an wenigen Tagen im Jahr genutzt würde.
  • Die Fläche der alten Kläranlage ist ein wichtiges Trittsteinbiotop zwischen Gemeindewald und der Tallage.
  • Die Fläche stellt eine existenziell wichtige Verbindung zwischen Laichplatz, Sommer- u. Winterlebensraum für wandernde Tierarten wie etwa Amphibien dar.
  • Aufgrund der Trittstein-bzw. Vernetzungsfunktion ist sie nicht an anderer Stelle durch eine andere Ausgleichsmaßnahme zu ersetzen.
  • Die Fläche wird seit Jahren hinsichtlich ihrer ökologischen Entwicklung fachkundig betreut und gepflegt (u.a. Obstbaumpflege).
  • Der Bereich dient vielen Arten auch als Nahrungs- und Bruthabitat (siehe Artenliste unten).
  • Eine umfassende artenschutzrechtliche Beurteilung des Standortes halten wir für unabdingbar.

Folgende besonders geschützte Tierarten finden nach unserer Beobachtung dort zurzeit einen Lebensraum:

Vögel: Nachtigall, Mönchsgrasmücke, Gartenrotschwanz, Hausrotschwanz, Buntspecht, Kleinspecht, Grünspecht, Steinkauz, Klapper- und Gartengrasmücke, Star, Blaumeise, Kohlmeise, Feldsperling, Buchfink, Eisvogel (jagt im nahen Fronhäuser Bach).

Reptilien: Zauneidechse, vermutlich Schlingnatter (ein Fotodokument aus der Gießener Straße und eines nördlich der Flutbrücke liegt vor, ein Vorkommen ist deshalb auch dort sehr wahrscheinlich), Blindschleiche

Amphibien: Grasfrosch, Erdkröte, Grünfrosch

Säugetiere: Igel, Feldhase, Reh, Rotfuchs, Steinmarder, Zwergfledermaus

 

Für die Errichtung des Festplatzes müsste die Fläche laut Gemeinde vollständig versiegelt werden, was die vorhandene Flora und Fauna vollständig vernichten würde. Dies wäre ein erheblicher artenschutzrechtlich zu beurteilender Eingriff für die dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten.

 

Für den Festplatz muss eine für die Natur weniger wertvolle Fläche gefunden werden.

 

 

NABU Fronhausen/Lahn e.V.

 

Anhang

35112 Fronhausen/Lahn Fronhausen, 14.05.20014

Flur 14, „Unter dem langen Garten“, Flurstück 185/1 + 185/2

Umgangssprachliche Bezeichnung: Alte Kläranlage

Hier: Beschreibung der Örtlichkeit und Vegetation

Das gemeindeeigene Grundstück liegt am südlichen Ortsausgang Richtung Odenhausen und wird westlich von der L3093 tangiert; auf der östlichen Seite verläuft ein Feldweg, anschließend parallel dazu der Fronhäuser Bach sowie die zweigleisige Trasse der Main-Weser Bahnlinie. Südlich wird das Flurstück teilweise von einer Überlandleitung überspannt, die zum Umspannwerk der Deutschen Bahn führt. Nördlich schließen Nutzgärten an.

Das Flurstück wird durch einen Graben in zwei Teilbereiche gegliedert.

Die Parzelle 185/1 war bis Ende der 1980er Jahre Standort einer Kläranlage aus den 1960er Jahren,

bestehend aus Faulturm, Absetzteichen, kleinem Betriebsgebäude sowie befestigten Wegen.

Das Flurstück 185/2 wird in Längsrichtung durch einen Abwasserkanal untertunnelt.

Nach Abriss der Kläranlage (vor ca. 25 Jahren) blieb die Fläche ungenutzt, lediglich die vorhandenen Obstbäume kamen anfangs noch zur jährlichen Versteigerung.

Das Mosaik an unterschiedlichen Bodenstrukturen spiegelt sich in der Artenzusammensetzung der Vegetation wieder. Im Untergrund befinden sich Fundamentreste sowie grobe und feine Füllmaterialien, teils verdichtet, ebenso wie aufgefülltes Erdreich. Aktuell besticht das Grundstück durch seinen naturnahen Charakter. Neben den alten Obstbäumen haben sich zahlreiche Laubgehölze angesiedelt und bilden abwechslungsreiche Heckenstrukturen.

Das Grünland ist artenreich und beherbergt eine Vielzahl unterschiedlicher Insekten. Amphibien haben hier einen Sommerlebensraum. Die Fläche ist ein bedeutsames Bindeglied (Trittsteinbiotop) zwischen Wald und Tal und ein Nahrungshabitat inmitten intensiv genutzter Ackerflächen.

2010 wurde das gesamte Gelände dem Verkehrs- und Verschönerungsverein zur Verfügung gestellt, um hier 10 junge Obstbäume pflanzen zu können, als Ausgleich für die Baumaßnahme „neue Hainbuchenhütte“. Seitdem wird die Fläche im Sinne einer „ökologischen Aufwertung“ ehrenamtlich gepflegt, Obstbäume geschnitten und das Grünland extensiv gemäht. Für die alten Obstbäume bestehen Patenschaften, welche Nutzung und Pflege beinhalten.

Insgesamt befinden sich 26 Obstbäume unterschiedlichen Alters auf der Fläche.

Gehölze:

Obstbäume, ca.60 jährig, 11 Stück. Sorten: Goldparmäne, Schöner von Nordhausen, Boskoop,James Grieve, Golden Delicius,u.a.

Obstbäume, ca. 7jährig, 9 Stück. Sorten: Geheimrat Oldenburg, Florina, Streifapfel, Roter Boskoop, Moringer Rosen, Jonathan, Goldrenette.

weitere Laubgehölze:

Bergahorn (Acer pseudo-platanus)

Brombeere (Rubus laciniatus) Hopfen (Humulus lupulus)

Brombeere (Rubus hypomalacus) Pfaffenhütchen (Euonymus europaea)

Bruchweide (Salix fragilis) Rotbuche (Fagus sylvatica)

Eberesche (Sorbus aucuparia) Saalweide (Salix caprea)

Efeu (Hedera helix) Schlehe (Prunus spinosa)

Hasel (Corylus avelana) Schmalblättrige Weiden (Salix spec.)

Hänge-Birke (Betula pendula) Stieleiche (Qercus robour)

Heckenrose (Rosa corymbifera) Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)

Holunder (Sambucus nigra) Weißdorn (Crataegus spec.)

Wiesenpflanzen:

Akelei (Aquilegia vulgare)

Baldrian ( Valeriana spec.)

Beifuß (Artemisia spec.)

Erdbeere (Fragaria spec.)

Fetthenne (Sedum maximum)

Gemeine Quecke (Agropyron repens)

Glatthafer (Arrhenatherum elatius)

Große Brennessel (Urtica dioica)

Gundermann (Glechoma hederacea)

Hahnenfuß, Kriechender (Ranunculus repens)

Hahnenfuß, Vielblütiger (R. Polyanthemos)

Kälberkropf ( Chaerophyllum bulbosum)

Kletten-Labkraut (Galium aparine)

Kriechender Günsel (Ajuga reptans)

Knauelgras (Dactylis glomerata)

Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)

Land Reitgras (Calamagrostis epigejos)

Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Margerite (Leucanthenum vulgare)

Meerrettich (Armoracia rusticana)

Nachtviole (Hesperis matronalis)

Nelkenwurz (Geum urbanum)

Pfennigkraut (Lysimachia nummularia)

Rainfarn (Tanacetum vulgare)

Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea)

Sauerampfer, Wiesen (Rumex acetosa)

Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)

Segge, Behaarte (Carex hirta)

Segge (Carex cuprina ?)

Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea)

Storchschnabel, Schlitzblättriger (Geranium dissectum)

Storchschnabel, Purpur (G. purpureum)

Storchschnabel, Pyrenäen (G. pyrenaicum)

Taube Trespe (Bromus sterillis)

Wegerich, Schmalblättriger (Plantago lanceolata)

Weiche Trespe (Bromus hordeaceus)

Weiße Taubnessel (Lamium album)

Wicke (Vica sepium)

Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)

Wiesen Fuchsschwanz (Alopecurus pratense)

Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris)

Wiesen-Labkraut (Galium mollugo)

Wiesen Rispengras (Poa pratensis)

Wolliges Honiggras (Holcus lanatus)

Zaunwinde (Calystegia sepium)

 

Diese Liste ist nicht vollständig!

Pflanzen, deren Art nicht bestimmt wurde, tragen hinter dem Gattungsnamen das Kürzel spec.

 

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