Drei Jungstörche im Fronhäuser Ried beringt!

13.06.2016 von Stefan Wagner

Vor ca. 2 Wochen erhielt der Naturschützer und Vogelberinger Christian Heuck aus Goßfelden eine Anfrage von der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, ob er im Mittelhessen einige junge Weißstörche beringen könnte. Nachdem bisher hauptsächlich im südhessischen Raum in den letzten Jahren viele Jungestörche beringt wurden, wollte man die Beringungen nun auch auf die Weißstörche in Mittel- und evtl. Nordhessen ausdehnen. In Betracht gezogen wurden zunächst das Fronhäuser Paar und die Niststandorte an der Lache Radenhausen. Dabei sollten die Beringungen nur an bereits etablierten Brutplätzen statt finden, um neu besiedelte Neststandorte nicht evtl. zu gefährden.

Allerdings war die Zeit knapp, da die Jungstörche in vielen der ins Auge gefassten Nestern bereits recht groß waren. Da es für Christian auch die ersten Storchenberingungen waren, sollten zunächst nur die Jungstörche in Fronhausen und die Jungen eines Nestes im Ohmbecken erfolgen. Um an die Nester in luftiger Höhe heranzukommen, wurde von Andreas Trepte (stellv. Vorsitzender des NABU Kreisverbandes) bei einer Werkzeugvermietung in Gießen ein Hubwagen mit einer Arbeitshöhe von 12,5 Meter auf Kosten des NABU-Kreisverbandes angemietet.  

Da es in den letzten Tagen doch reichlich geregnet hatte, konnten die Wiesenflächen mit den Storchenhorsten nicht mit einem normalen PKW + Hubwagen befahren werden, so dass in Fronhausen Walter Brede seinen Allrad-Jeep zur Verfügung stellte, so dass er problemlos den Hubwagen an den Horst heranfahren konnte.

Heinrich Böth, der Flächeneigentümer, war ebenfalls vor Ort und kümmerte sich um die Pferde, die auf der Wiese zur Zeit für die Beweidung sorgen.

Unser Unbehagen, ob die Jungstörche evtl. schon zu groß seien und nicht mehr in eine sogenannte "Schreckstarre" (Akinese) verfallen, war unbegründet. Als wir uns mit dem Gespann dem Masten näherten, verließ der anwesende Altstorch das Nest und die drei Jungvögel legten sich sofort flach in das Nest und rührten sich nicht mehr. Also alles in Ordnung. Daraufhin wurde der Hubwagen in Stellung gebracht und Christian konnte mit dem Korb nach oben fahren - sicherlich keine Aktion für Menschen mit Höhenangst....

Oben angekommen wurde die regungslosen Jungstörche mit einem Tuch bedeckt und anschließend mit Kunststoffringen versehen. Unsere Störche haben nun Ringe mit den Nummern:

 

DEW - 5T821
DEW - 5T822
DEW - 5T823

 

Dabei steht DE für Deutschland und W für Wilhelmshaven (Sitz der Vogelwarte Helgoland).

Die Beringungsaktion ging schnell und unproblematisch von statten. Auch Heinrich Böths Pferde waren neugierig und beobachteten das seltsame Treiben auf "ihrer" Weide.

Nach gelungener Beringung wurde der Hubwagen wieder abgebaut und von der Weide gezogen. Das ganze Geschehen wurde von Ilka Heuck, Winfried Krähling und mir fotografisch dokumentiert.

Kaum hatten wir die Weide wieder verlassen, da kehrte auch schon ein Altstorch zum Nest zurück und schaute nach dem Rechten. Also alles gut!

 

Anschließend ging es noch Richtung Kirchhain in das Amöneburger Becken, wo wir aber leider feststellen mussten, dass der Hubwagen mit seinen 12,5 Metern für die Höhe des Gittermasten nicht ausreichte. So bleibt es in diesem Jahr bei der Beringung der drei Jungstörche in Fronhausen.

Im nächsten Jahr sollen, mit etwas mehr logistischen Vorlauf, an mehreren Standorten wieder Jungstörche beringt werden. Evtl. lässt sich für die sehr hohen Horste die Feuerwehr mit einem Leiterwagen aktivieren.

Dass solche Beringungen sinnvoll sind und wichtige Erkenntnisse über das Verhalten, Aufenthaltsorte und Zugwege erbringen, zeigt sich ja an unseren Weißstörchen. Ohne Beringung hätten wir nichts über die Herkunft unseres Brutpaares (vor allem, dass sie beide sehr jung bereits zur Brut geschritten sind)  und über den "Frauentausch" zwischen Niederwalgern, Fronhausen und Rauischholzhausen, sowie die "Zwei-Männchen Strategie" des diesjährigen Fronhäuser Brutweibchens Wiebke erfahren. Ein sehr kurioses Verhalten, was so noch nicht festgestellt wurde (siehe Weißstorchtagebuch 2016).

 

Im Großen und Ganzen also eine sehr gelungene Aktion. Vielen Dank an alle Mithelfer und Fotografen.

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