Altes Wasserwerk Ebsdorf wird zum Fledermausquartier

07.08.2017

Wolfgang Richardt bereitet das unwirtliche Gebäude für die Wintergäste vor. Das alte Wasserwerk Ebsdorf wurde 1914 eröffnet. Nun erhält es als Fledermaus-Quartier einen neuen Nutzen. Quelle: Ina Tannert
Wolfgang Richardt bereitet das unwirtliche Gebäude für die Wintergäste vor. Das alte Wasserwerk Ebsdorf wurde 1914 eröffnet. Nun erhält es als Fledermaus-Quartier einen neuen Nutzen. Quelle: Ina Tannert

von Ina Tannert (Oberhessische Presse):

Ebsdorf.

Rund 100 Jahre ist der alte Ebsdorfer Wasserspeicher alt, der früher einmal mit zwei großen Speichern zur Wasserversorgung des Ortes diente. Seit den 1960er-Jahren steht der Bau leer und soll nun wieder ­einen sinnvollen Nutzen als ­Fledermaushaus erhalten.

Für das Projekt haben sich der Naturschutzbund Fronhausen (Nabu) und der Heimat- und Verschönerungsverein Ebsdorf (HVV) zusammengetan. Das Ziel: den nützlichen und bedrohten Tieren den Start in die kalte Jahreszeit zu erleichtern. Dazu eigne sich der gut erhaltene und geschützt liegende Hochbehälter am Ortsrand sehr gut: „Wir wollen den Fledermäusen ein neues Quartier ermöglichen, davon finden sich heute immer weniger“, berichten Annelore und Wolfgang Richardt vom HVV.

 

 

Schlafplätze in Hohlblocksteinen aus Bims und Zement

 

Seit Wochen bereiten die freiwilligen Helfer das unwirtliche Innere des Gebäudes vor, räumen Müll und Schutt aus Wasserreservoir und Technikraum und befreien den Sandsteinbau von Bewuchs. Die alte Eisentür wurde entfernt, eine neue Holztür wird demnächst mit fledermausgerechten Einfluglöchern versehen. Unterschlupf finden die Tiere eine Etage tiefer in den zwei alten Wasserkammern.

Als Schlafplätze dienen künftig rechteckige Hohlblocksteine aus Bims und Zement, die bereits an den Wänden angebracht wurden. In den nach unten offenen Luftkammern der Bausteine könnten zahlreiche Fledermäuse hineinpassen. Die rauen Flächen eignen sich besonders gut zum Klettern. Bekanntermaßen schlafen und überwintern die kleinen Flugsäuger kopfüber hängend, halten sich dabei mit winzigen ­Widerhaken an den Krallen fest. „Fledermäuse hängen sich gerne in solche Öffnungen oder auch direkt an die Wand“, sagt Richardt. Daher sollen demnächst noch weitere Dämmplatten direkt an die Decken montiert werden.

 

 

Ein neuer Unterschlupf für die Fledermäuse in Ebsdorf

Mit Wasser gefüllt sind die beiden Rundkammern unter der Erde längst nicht mehr, einige­ Zentimeter stehen dennoch am Boden. Und das ist auch gut so. „Fledermäuse suchen sich Quartiere in denen sie frostsicher überwintern können und es muss eine gewisse Feuchtigkeit vorhanden sein, eben wie in einer natürlichen Felshöhle“, erklärt Konrad Mink vom Nabu Fronhausen.

Die Idee für das Projekt entstand in der ehemaligen Nabu-­Ortsgruppe von Ebsdorf, die sich mittlerweile den Kollegen aus Fronhausen angeschlossen hat. Jetzt zur Jahresmitte kommt die Aktion in Schwung, da sich die Tiere mit ihren nun flugfähigen Jungen auf Quartiersuche begeben.

Geeignet sei das künftige Winterhaus für Fledermäuse aller­ Art. In der Region leben unter­ anderem Zwergfledermäuse und Mausohren, auch Wasserfledermäuse werden vermutet. Einen geeigneten Unterschlupf zu finden wird zunehmend schwerer für die Tiere. Moderne Renovierungsmaßnahmen und die Versiegelung von Gebäuden rauben Fledermäusen immer mehr Lebensraum, „viele Quartiere sind verloren gegangen“, sagt Richardt. Umso wichtiger sei es, für neuen Wohnraum zu sorgen.

 

Das alte Wasserwerk steht auf Gemeindegrund. Die Gemeinde Ebsdorfergrund unterstützt das Vorhaben der Naturschützer und gab ihr Okay für den Umbau. Der Landkreis fördert die Arbeiten durch einen finanziellen Zuschuss und zahlt das Material.

Wie viele Tiere in den Kammern demnächst Unterschlupf finden werden, lässt sich schlecht schätzen. Ausreichende Schlafbereiche sind vorhanden und könnten in Zukunft noch ausgebaut werden. „Wir hoffen die Tiere nehmen das Angebot an – das wäre wunderbar“, hofft Mink auf viele neue „Untermieter“.

In die Hohlblocksteine in der alten Wasserkammer können sich Fledermäuse zum Schlafen hinein hängen. Foto: Ina Tannert
In die Hohlblocksteine in der alten Wasserkammer können sich Fledermäuse zum Schlafen hinein hängen. Foto: Ina Tannert

Die folgenden Bilder von der feierlichen Eröffnung des Wasserks stammen von Friedrich-Karl Menz

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